Trennung.net
Anliegen

Versorgungsausgleich: Regeln, Zahlen, Praxis

Beim Versorgungsausgleich werden alle in der Ehezeit erworbenen Rentenanrechte hälftig geteilt: gesetzliche Rente, Beamtenversorgung, Betriebsrente, Riester und Rürup. Das Familiengericht führt ihn bei Ehen über drei Jahren von Amts wegen durch. Jedes Anrecht wird einzeln intern geteilt.

Was wird geteilt?

Die Ehezeit beginnt am ersten Tag des Heiratsmonats und endet am letzten Tag des Monats vor Zustellung des Scheidungsantrags (§ 3 VersAusglG). Alle in dieser Zeit erworbenen Anrechte auf Alters- oder Invaliditätsversorgung werden geteilt: gesetzliche Rente, Beamtenpension, berufsständische Versorgung, Betriebsrenten, Riester- und Rürup-Verträge, private Rentenversicherungen ohne Kapitalwahlrecht.

Geteilt wird intern: Der ausgleichsberechtigte Ehegatte erhält beim jeweiligen Versorgungsträger ein eigenes Anrecht in Höhe der Hälfte des Ehezeitanteils. Bei der gesetzlichen Rente sind das Entgeltpunkte. Beispiel für Deutschland: Er hat in 15 Ehejahren 18 Entgeltpunkte erworben, sie 6. Er gibt 9 ab, sie 3. Netto wandern 6 Punkte zu ihr.

Kapitallebensversicherungen, Immobilien und Sparvermögen gehören nicht in den Versorgungsausgleich, sondern in den Zugewinnausgleich. Betriebsrenten mit Kapitalwahlrecht werden dem Versorgungsausgleich zugeordnet, wenn das Wahlrecht bei Zustellung noch nicht ausgeübt war.

Ablauf beim Familiengericht

Nach Zustellung des Scheidungsantrags schickt das Familiengericht beiden Ehegatten den Fragebogen zum Versorgungsausgleich. Ihr gebt alle Versorgungsträger an, das Gericht holt die Auskünfte ein. Die Deutsche Rentenversicherung braucht dafür meist drei bis fünf Monate, manchmal länger, wenn Kontenklärungen offen sind.

Der Versorgungsausgleich ist Folgesache im Scheidungsverbund und wird mit der Scheidung entschieden. Er verzögert das Verfahren häufiger als jede andere Folgesache. Wer schnell geschieden werden will, klärt sein Rentenkonto in Deutschland am besten schon vor Einreichung des Antrags.

Ausgeschlossen bleiben Bagatellanrechte (2026: Kapitalwert unter rund 4.200 € oder Rentenwert unter etwa 36 € monatlich) und Anrechte, deren Ausgleich grob unbillig wäre, etwa bei sehr unterschiedlicher Lebenserwartung oder wenn ein Ehegatte über Jahre keinen Unterhalt gezahlt hat (§ 27 VersAusglG).

Ausschluss und Vereinbarungen

Ehegatten können den Versorgungsausgleich durch Ehevertrag oder Scheidungsfolgenvereinbarung ausschließen oder anders regeln (§§ 6 bis 8 VersAusglG). Die Vereinbarung braucht notarielle Form oder wird im Scheidungstermin protokolliert. Das Familiengericht prüft, ob sie einen Ehegatten unangemessen benachteiligt, dann ist sie unwirksam.

Ein Ausschluss lohnt sich bei ähnlich hohen Anrechten beider Ehegatten, weil er das Verfahren um Monate verkürzt und Kosten spart. Bei einem großen Gefälle, etwa Beamter und Teilzeitkraft, ist er für den Schwächeren meist ein schlechter Tausch. Fachanwälte in Deutschland rechnen das vorab durch.

Bei kurzen Ehen bis drei Jahre findet der Versorgungsausgleich nur auf Antrag statt (§ 3 Abs. 3 VersAusglG). Nach der Scheidung sind Anpassungen möglich, etwa bei Tod des Berechtigten innerhalb von 36 Monaten Rentenbezug oder bei nachträglichen Änderungen der Anrechte.

Versorgungsausgleich: Regeln 2026
RechtsgrundlageVersorgungsausgleichsgesetz (VersAusglG)
EhezeitErster Tag des Heiratsmonats bis letzter Tag vor Zustellungsmonat (§ 3 VersAusglG)
DurchführungVon Amts wegen ab 3 Jahren Ehe, sonst auf Antrag
TeilungsartInterne Teilung je Anrecht, hälftig (§ 10 VersAusglG)
BagatellgrenzeKapitalwert unter ca. 4.200 € bzw. Rente unter ca. 36 €/Monat (2026)
Verfahrenswert10 % des dreifachen Nettoeinkommens je Anrecht, mindestens 1.000 € (§ 50 FamGKG)

Stand September 2026.

Versorgungsausgleich nach Stadt

Häufige Fragen

Muss der Versorgungsausgleich immer durchgeführt werden?
Bei Ehen ab drei Jahren ja, von Amts wegen. Bei kürzeren Ehen nur auf Antrag eines Ehegatten. Ein wirksamer notarieller Ausschluss ist möglich.
Wie lange dauert der Versorgungsausgleich?
Die Auskünfte der Versorgungsträger dauern meist drei bis fünf Monate. Er ist der häufigste Grund, warum Scheidungen länger als ein halbes Jahr brauchen.
Verliere ich meine Rente?
Nein, nur die Hälfte der in der Ehezeit erworbenen Anrechte. Rentenpunkte aus der Zeit vor der Ehe und nach dem Stichtag bleiben vollständig bei dir.
Was ist mit Betriebsrenten?
Sie werden ebenfalls geteilt, intern beim Arbeitgeber oder dessen Versorgungsträger. Bei kleinen Anrechten kann der Träger externe Teilung verlangen.
Kann ich den Versorgungsausgleich rückgängig machen?
Nach Rechtskraft nur in Ausnahmefällen, etwa wenn der Berechtigte innerhalb von 36 Monaten Rentenbezug stirbt (§ 37 VersAusglG).
Was kostet der Versorgungsausgleich?
Er erhöht den Verfahrenswert um 10 % des dreifachen Nettoeinkommens je Anrecht, mindestens 1.000 €. Bei zwei Anrechten und 3.000 € Haushaltsnetto sind das 1.800 € mehr Verfahrenswert.
Zählt Riester zum Versorgungsausgleich?
Ja, Riester- und Rürup-Verträge werden geteilt. Kapitallebensversicherungen dagegen im Zugewinnausgleich.
Was passiert, wenn ein Ehegatte im Ausland Rente hat?
Ausländische Anrechte werden nicht intern geteilt, sondern über schuldrechtlichen Ausgleich bei Rentenbezug berücksichtigt (§ 19 VersAusglG).

Weitere Anliegen

Trennung.net vermittelt keine Anwälte und erhält keine Provision. Die genannten Beträge basieren auf der Düsseldorfer Tabelle 2026 und den Gebührentabellen nach KostBRÄG 2025. Im Einzelfall entscheidet das Familiengericht. Stand: September 2026.